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Westphalfloß

Das "Laströhrenfloß"

Westphalfloss Foto : Verkehrsbetriebe Peine - Salzgitter

Das Westphalfloß war ein von Dr.-Ing. Eberhard Westphal entwickeltes Transportsystem zum Transport von Kohle aus dem Ruhrgebiet über den Dortmund-Ems-Kanal und Mittellandkanal nach Salzgitter zu den Reichswerken Hermann Göring.

Gebaut wurde das erste Floß 1943 auf der Strassburger Neudorf-Werft nach Plänen von Westphal. Der war zu dieser Zeit als Betriebsdirektor bei den Reichswerken Hermann Göring beschäftigt. Zu seinem Hauptaufgaben gehörte der Transport.

Das Floß bestand vorn aus einem Schlepper (Paul), in der Mitte aus im Querschnitt 8 X 3 halbrunden, schwimmfähigen Stahlbehältern (den Lastrohren) welche hintereinander (8) sowie nebeneinander (3) verkoppelt waren und hinten aus ein gleichartiges Schubboot (Marie). Der Verband wurde so bis ca. 1957 mit eingesetzt.

Die Lastrohre mit ihrem insgesamt geringem Ladevermögen wurden dann durch größere leichterähnliche "Kästen", die zum Entladen nicht mehr hochgehievt wurden, sonder konventionell mit Kränen gelöscht wurden, ersetzt.

Der Name dieses "neuen" Verbandes war Wintrans 50 bzw. wurde im Volksmund Kanalschlange genannt.

Abmessungen endgültigen Ausführung:

Gesamtlänge über Puffer  16 965 mm 
Größte Höhe von Schienenoberkante bis Oberkante Poller, unbeladen  ca. 4 100 mm 
Drehzapfenabstand  11 735 mm 
Drehgestellachsabstand  1 800 mm 
Spurweite  1 435 mm 
Laufkreisdurchmesser der Radsätze  850 mm 
Außendurchmesser des Lastrohres  3 000 mm 
Größte Walzenlänge des Lastrohres  12 000 mm 
Größter Schwenkradius des Lastrohres beim Drehen  ca. 1 825 mm 
Entladeöffnungsbreite des Lastrohres  1 800 mm 
Entladeöffnungslänge des Lastrohres  8 200 mm 
Sohlenabstand des Lastrohrs von Schienenoberkante, beladen  ca. 1 040 mm 
Erforderlicher Aushebehub des Lastrohres im beladenen Zustand  ca. 300 mm 
Gesamtgewicht des Wagens unbeladen  ca. 28 400 kg 
Gesamtgewicht beider Drehgestelle komplett mit Aufbauten, ohne Lastrohr  ca. 16 400 kg 
Eigengewicht des Lastrohres  ca. 12 000 kg 

Amphibischer Verkehr

Lastrohr des Westphalflosses 

1956 nach der Gründung des Arbeitskreises „Amphibischer Verkehr", — gebildet durch die A. G. für Berg- und Hüttenwesen und die Hoesch-Werke als Interessenten an diesem Projekt und die diesen Konzernen angeschlossenen Waggonfirmen Linke-Hofmann-Busch und Orenstein & Koppel A. G., Dortmund-Dorstfeld — mit dem Bau von 6 Lastrohren eine Entwicklung in die praktische Erprobung genommen werden, die von Linke-Hofmann-Busch seit 1951 betrieben wurde und an die bereits 1940 von den Hüttenwerken Salzgitter, damals Reichswerke Hermann Göring, begonnene Entwicklung des nach dem Erfinder benannten Westphal-Lastrohres anknüpfte. Der „Gebrochene Transport" sieht für den Transport von Massen- und Stückgütern grundsätzlich die Verwendung des gleichen Transportmittels auf dem gesamten Transportweg vom Lieferanten zum Empfänger vor. Seitens der Bundesbahn und anderer Bahngesellschaften wurde der gebrochene Verkehr bereits längere Zeit studiert und auch im Verkehr praktisch erprobt, da durch diese Transportart Transport- und Umschlagkosten eingespart werden können. Bekannt sind die für den „Schiene-Straße-Verkehr" von der Bundesbahn entwickelten Culemeyer-Fahrzeuge und der sogenannte Huckepack-Verkehr. Auch die von Linke-Hofmann-Busch gebauten Behälter-Transportwagen für den sogenannten „Haus zu Haus"-Verkehr dienen dem gleichen Zweck.

 

Lastrohr 

Mit dem Lastrohr sollte ein Transportmittel für den Wechsel vom Schienen- zum Wasserweg und umgekehrt geschaffen werden. Die beiden beteiligten Waggonfirmen entwickelten jedoch zwei wesentlich voneinander verschiedene Fahrzeuge, wobei Linke-Hofmann-Busch das Grundprinzip des ursprünglichen Westphal-Lastrohres beibehielt. Da jedoch das Westphal-Lastrohr mit einer Länge von 24 m und einem Außendurchmesser von 3 m die Einschränkungsmaße beim Kurvenlauf überschritt, wurde für das neu zu entwickelnde Lastrohr eine Länge von 12 m und ein Außendurchmesser von 3 m gewählt. Mit diesen Abmessungen ergab sich für das Lastrohr ein Gewicht von ca. 12 t, für das unbeladene Fahrzeug ca. 28 400 kg, so daß auf C-Strecken mit dem zugelassenen Achsdruck von 20 t ein Ladegewicht von 51 600 kg erreicht werden konnte.

 

Westphalfloss im Hafen Salzgitter 

Der Antrieb bestand aus zwei Schleppern von denen einer schleppte und der andere schob. Der Vordere hatte eine Leistung von zweimal 180 PS (von hier steuerte auch der Schiffsführer den Verband) und der hintere von zweimal 150 PS.

Der Verband hatte eine Länge von 222 Metern bei 9 Metern Breite und hatte ein Ladevermögen von 2.200 Tonnen.

Gesteuert wurde der Verband über Seilzüge, so dass er auch die enge Kurven in den Kanälen durchfahren konnte.

 

Westphalfloss, Skizze Lastrohr 

Bei der konstruktiven Entwicklung dieser Fahrzeuge mußte von den Betriebs- und Einsatzbedingungen ausgegangen werden, wonach die Lastrohre für den Transport auf dem Wasserwege zu Lastrohrflößen zusammengestellt und für den Transport auf dem Schienenwege einzeln auf geeignete Transportfahrzeuge umgesetzt werden sollten. Die Lastrohre mußten also schwimmfähig sein und sowohl im leeren als auch im beladenen Zustand ausreichende Schwimmstabilität besitzen. Sie sollten sowohl im Wasser als auch an Land von Greiferbaggern be- und entladen werden können und an Land zusätzlich für die Selbstentleerung eingerichtet sein. Ferner war eine einfache Lösung für das Umsetzen aus dem Wasser auf die Transportfahrzeuge und umgekehrt zu finden.

 

Lastrohr beim Entladen 

Entsprechend diesen Forderungen wurde das für einen frontalen Pufferstoß von 250 t dimensionierte Lastrohr in selbsttragender Bauweise konstruiert, um es an den Endschotten mit Laufringen auf die Transportdrehgestelle aufsetzen zu können. Mit diesen laufringen, die in entsprechenden Antriebsrollen auf den Transportdrehgestellen gelagert und dureh eine Verriegelung gegen Abheben durch den Pufferstoß gesichert waren, konnte das Lastrohr nach beiden Seiten bis zu 1800 durch einen mechanischen Antrieb zum selbsttätigen Entleeren gedreht werden. Die von einem Elektromotor angetriebene Entladeeinrichtung war auf beiden Transportdrehgestellen angeordnet und gab dem Lastrohr eine Entladegeschwindigkeit von einer halben Umdrehung pro Minute. Die Leistung der Antriebsmotoren gewährleistete ein ausreichendes Drehmoment auch für schweres Ladegut mit ungünstig tiefer Schwerpunktlage, wie z. B. Erze. Die obere Schüttöffnung mit einer lichten Weite von 1,8 m und ein ebener Zwischenboden ermöglichen das Entladen mit Greifbaggern.

Druckbare Version Westphal, Eberhard Wintrans 21/12 und 22/25